30th Koblenz International Guitar Festival & Academy 29. Mai bis 6. Juni 2022

Oliver Korte:

Strange Encounters (2022) für Gitarre und Elektronik

  1. Mysterious
  2. Violent
  3. Relaxed

Otto Tolonen gewidmet, Uraufführung Otto Tolonen

Strange Encounters für Gitarre und Elektronik besteht aus drei Tableaus, Erinnerungsprotokollen zufälliger, sonderbarer und unwiederholbarer Begegnungen in der Großstadt. Im ersten und dritten Tableau spielt die Gleichzeitigkeit unterschiedlicher Lebenswelten eine bedeutende Rolle. Mehrere musikalische Schichten verlaufen synchron und unabhängig voneinander – und sind doch ideell miteinander verknüpft, im ersten Satz bspw. durch den Grundgedanken sich spreizender und verjüngender Tonräume, und im letzten durch allgegenwärtige Pendelbewegungen. Im Kontrast zum delikaten Schwebezustand der Ecksätze packt der Mittelsatz mächtig zu; es handelt sich um eine Tour de force aus rabiaten Riffs, eine Art polymetrischen Headbanger.

Oliver Korte, geboren 1969 in Hamburg, ist Professor für Musiktheorie an der Musikhochschule Lübeck und seit 2020 dort Vizepräsident. Als Gastprofessor war er 2017/18 an der Johannes Gutenberg Universität Mainz beschäftigt. Vor seinem Ruf nach Lübeck lehrte er an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ Berlin und Hochschule für Musik und Theater Rostock und war wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität der Künste Berlin. Er studierte Komposition, Musiktheorie und Musikwissenschaft in Hamburg (Dieter Einfeldt), Wien (Erich Urbanner) und Berlin (Helga de la Motte-Haber). Besondere künstlerische Impulse vermittelten ihm private Studien bei Gösta Neuwirth. Er wurde 2002 mit einer Arbeit über Bernd Alois Zimmermanns Ekklesiastische Aktion promoviert.

Die Musik von Oliver Korte ist ausgesprochen physisch. Er kreiert musikalische Objekte, Texturen und Prozesse, die sich unterscheiden nach Volumen, Dichte, Oberfläche, Temperatur, Geschmack und Geruch. Manche sind wuchtig wie Kanonenkugeln, andere ätherisch wie Nebelschleier, manche duften nach Flieder, andere riechen nach Benzin. Kortes Arbeit kreist insbesondere um zwei Gravitationszentren: einerseits die Entwicklung individueller Raumkonzepte (so in seiner abendfüllenden Oper Copernicus, uraufgeführt 2015 in Dresden) und andererseits die Auslotung neuartiger Text-Musik-Relationen (bspw. eine quasi dokumentarische Arbeit mit verschiedenen Textsorten in Copernicus oder Verschlüsselungstechniken in Epigramm – Kryptogramm – Piktogramm für einen sprechenden Trommler). Im gedanklichen Zentrum seiner Kompositionen steht oft die Auseinandersetzung mit der (physischen) Welt und den Optionen und Grenzen des Menschen darin (z.B. im 2007 in Krefeld uraufgeführten Schlagzeugkonzert Die Elemente über chemische Grundstoffe oder in Ludwig W. für Vibraphon und Klarinette aus dem Jahr 2020, einem Kommentar zu Wittgensteins Tractatus logico-philosophicus).

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